Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg gibt Haus auf Borkum auf
Veröffentlicht: Mittwoch, 19.08.2026 16:04
Der Evangelische Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg gibt seine Ferien- und Tagungsstätte „Alter Leuchtturm" auf Borkum auf. Eine außerordentliche Sondersynode hat das am 18. August mit großer Mehrheit beschlossen - der Grund sind Sanierungskosten von rund 9,5 Millionen Euro.
Sondersynode beschließt das Ende des Alten Leuchtturms auf Borkum
Der Evangelische Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg trennt sich von seinem Haus „Alter Leuchtturm" auf der Nordseeinsel Borkum. Eine außerordentliche Kreissynode fasste den Beschluss am 18. August - und zwar mit deutlicher Mehrheit: 71 von 74 Synodalen stimmten für die Aufgabe der Ferien- und Tagungsstätte, drei Mitglieder enthielten sich. Die Sitzung fand digital statt, um möglichst vielen Synodalen trotz der Urlaubszeit die Teilnahme zu ermöglichen. Ausschlaggebend für die Entscheidung war erheblicher Zeitdruck: Eine Entscheidung über die Zukunft des Hauses konnte nach Angaben des Kirchenkreises nicht länger aufgeschoben werden. Das Haus soll zum Ende des Jahres aufgegeben werden.
Sanierungskosten stiegen auf 9,5 Millionen Euro - Finanzierungslücke nicht zu schließen
Der Hintergrund der Entscheidung sind deutlich gestiegene Sanierungskosten. Nach einer aktualisierten Berechnung der Ingenieurgemeinschaft Henninga GmbH aus Wiesmoor vom 17. August belaufen sich die notwendigen Investitionen auf rund 9,5 Millionen Euro. Noch vor wenigen Wochen war der Kirchenkreis von Kosten in Höhe von etwa 6,2 Millionen Euro ausgegangen - ein Betrag, der nach damaliger Einschätzung noch wirtschaftlich tragfähig gewesen wäre. Die höheren Kosten hätten eine zusätzliche Finanzierungslücke von rund 212.000 Euro pro Jahr bedeutet.
„Diese Lücke können wir nicht schließen." - Claudia Adams-Kuhbier, Geschäftsführerin des Hauses „Alter Leuchtturm"
Superintendent Dr. Christof Grote erklärte, eine Teilsanierung sei keine realistische Option. Neben den bereits bekannten Schäden - darunter Setzrisse in der Fassade und Schäden im Klinkerbereich - wurden im Zuge weiterer Untersuchungen zusätzliche Mängel festgestellt: marode Wasserleitungen, umfassende Schäden in der Küche sowie eine vollständig zu erneuernde Elektroinstallation. Die Stadt Borkum duldet den Betrieb der Küche in ihrem derzeitigen Zustand zudem nur noch bis Ende des Jahres.
Verkauf geplant - 60 Jahre diakonische Geschichte gehen zu Ende
Mit dem Beschluss beauftragte die Synode den Kreissynodalvorstand, die Vermarktung der Immobilie einzuleiten. Der Kirchenkreis bewertet die Verkaufschancen als gut: Das Haus verfügt über eine Beherbergungsgenehmigung, die auf Borkum nur schwer zu erhalten ist. Ein möglicher Verkaufserlös soll nach dem Willen der Synode auch künftig für diakonische Zwecke eingesetzt werden. Nicht zuletzt ist das auch ein Rückblick auf die Geschichte: Bereits 2025 hatte der Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg mit dem Haus Nordhelle in Meinerzhagen eine weitere Einrichtung abgegeben und einen neuen Käufer gesucht. Für 2027 waren beim „Alten Leuchtturm" bereits keine neuen Buchungen mehr angenommen worden. Das Haus besteht seit 60 Jahren und diente als Ort für Familienfreizeiten, Mutter-Kind-Maßnahmen, Seniorenreisen sowie Veranstaltungen von Kirchengemeinden und Vereinen. Mit dem Beschluss endet ein Kapitel kirchlicher und diakonischer Arbeit im Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg.